KernbereicheWissenRegenerations-ScoreNewsÜber rekurgo Newsletter
Wissensartikel 06

Kraft und Ausdauer gleichzeitig trainieren: Was bringt Concurrent Training?

4 Min6 Quellen
Veröffentlicht am 20. April 2026

Die zwei Grundpfeiler der körperlichen Leistungsfähigkeit: worin sie sich unterscheiden, was im Körper passiert und wie sich beide kombinieren lassen – eine Übersicht mit wissenschaftlichen Quellen.

Kraft und Ausdauer im Vergleich Kraft kurz · intensiv Ausdauer lang · moderat Ziel maximale & schnelle Kraft Belastung lange durchhalten Belastung kurz, hohe Intensität lang, moderate Intensität Muskelfasern v. a. Typ II (schnell) v. a. Typ I (langsam) Energie anaerob: Phosphate & Glykolyse aerob: mit Sauerstoff Hauptanpassung Muskelwachstum, Nervensystem Mitochondrien, Herz-Kreislauf Signalweg v. a. mTOR v. a. AMPK / PGC-1α Eigene Darstellung. Vereinfachte Gegenüberstellung; in der Praxis bestehen fließende Übergänge.

Eigene, schematische Gegenüberstellung. Vereinfacht; in der Praxis bestehen fließende Übergänge.

1. Zwei Grundpfeiler der Fitness

Kraft und Ausdauer sind die beiden grundlegenden motorischen Fähigkeiten, an denen sich Training orientiert. Kraft beschreibt die Fähigkeit, gegen einen Widerstand möglichst viel oder möglichst schnell Spannung zu erzeugen (etwa Maximalkraft, Schnellkraft oder Kraftausdauer). Ausdauer beschreibt die Fähigkeit, eine Belastung über längere Zeit aufrechtzuerhalten und sich rasch zu erholen – meist gestützt auf das Herz-Kreislauf-System. Beide Fähigkeiten beruhen auf unterschiedlichen Belastungsmustern und lösen entsprechend unterschiedliche Anpassungen aus (siehe Grafik oben).

2. Was im Körper passiert

Krafttraining

Hohe, kurze Belastungen aktivieren vor allem Signalwege rund um mTOR und fördern den Aufbau kontraktiler Eiweiße. Über Wochen führt das zu Muskelwachstum (Hypertrophie) und größerer Kraft. Hinzu kommen neuronale Anpassungen: Das Nervensystem lernt, mehr Muskelfasern und diese besser koordiniert anzusteuern – gerade zu Beginn eines Trainings ist ein großer Teil der Kraftzunahme darauf zurückzuführen. Energetisch stützt sich Krafttraining vor allem auf anaerobe Quellen (energiereiche Phosphate und die Glykolyse), die kurzfristig viel Leistung liefern.

Ausdauertraining

Längere, moderatere Belastungen aktivieren vor allem Signalwege wie AMPK und den Regulator PGC-1alpha. Die Folge ist unter anderem die Neubildung von Mitochondrien (den „Kraftwerken" der Zelle), eine dichtere Kapillarisierung und eine bessere Sauerstoffaufnahme und -verwertung (höhere maximale Sauerstoffaufnahme, VO2max). Daraus resultieren mehr Ermüdungswiderstand und eine höhere aerobe Leistungsfähigkeit. Die Energie wird hier überwiegend aerob – also mit Sauerstoff – bereitgestellt.

3. Muskelfasern und Energiesysteme

Skelettmuskeln bestehen aus verschiedenen Fasertypen. Vereinfacht unterscheidet man langsam zuckende Typ-I-Fasern und schnell zuckende Typ-II-Fasern (mit Untergruppen wie IIa und IIx).

Die grobe Verteilung der Fasertypen ist genetisch mitbestimmt. Training kann die Eigenschaften der Fasern jedoch verschieben: Innerhalb der Typ-II-Familie sind Übergänge (etwa von IIx zu IIa) gut belegt, während ein vollständiger Wechsel zwischen Typ I und Typ II umstritten ist. Parallel dazu greifen drei Energiesysteme ineinander: ein sehr schnelles Phosphat-System für wenige Sekunden, die Glykolyse für intensive Belastungen bis etwa zwei Minuten und das aerobe (oxidative) System für alles Darüberhinausgehende. Welches System dominiert, hängt vor allem von Intensität und Dauer ab.

4. Der Interferenz-Effekt: Stören sich Kraft- und Ausdauertraining gegenseitig?

Wer beides zugleich trainiert (sogenanntes Concurrent Training), stößt auf eine viel diskutierte Frage: Stören sich Kraft- und Ausdauerreize gegenseitig? Dieses Phänomen wird als Interferenz-Effekt bezeichnet und mit der teils unterschiedlichen Signalgebung (mTOR gegenüber AMPK) sowie schlicht der höheren Gesamtbelastung erklärt.

Die Forschung zeichnet ein differenziertes Bild. Ältere Auswertungen fanden, dass kombiniertes Training den Kraft- und vor allem Schnellkraftzuwachs etwas abschwächen kann. Neuere und umfangreichere Metaanalysen relativieren das jedoch: Für Muskelwachstum und Maximalkraft lässt sich häufig kaum eine Beeinträchtigung nachweisen; deutlicher zeigt sich der Effekt bei explosiver Kraft und Power. Praktisch bedeutsam sind Faktoren wie die Ausdauer-Modalität (Laufen scheint stärker zu interferieren als Radfahren), Umfang und Häufigkeit sowie die zeitliche Trennung der Einheiten.

Praktische Näherung: Kraft und Ausdauer lassen sich gut gemeinsam entwickeln. Wer beides in einer Einheit kombiniert und primär Kraft anstrebt, kann das Krafttraining tendenziell voranstellen; eine zeitliche Trennung der Einheiten (oder verschiedene Tage) kann mögliche Wechselwirkungen weiter verringern.

Weiterlesen: Trainingsanpassung und Regeneration.

Wissenschaftliche Quellen

Die Inhalte dieses Beitrags wurden auf Grundlage aktueller wissenschaftlicher Fachliteratur und Veröffentlichungen erstellt und in zusammengefasster Form zur allgemeinen Wissensvermittlung aufbereitet.

Zur Vertiefung des Themas sowie zur eigenständigen Auseinandersetzung mit dem aktuellen Forschungsstand werden die nachfolgenden wissenschaftlichen Quellen empfohlen. Die Inhalte dieses Beitrags stellen eine eigenständige Darstellung und Zusammenfassung der darin behandelten Erkenntnisse dar.

Gehört zum Kernbereich: Bewegung & Training

Weitere Artikel in diesem Kernbereich

Mag. Christian Schober
Mag. Christian Schober
Sportwissenschaft & Redaktion

Keine Gesundheitsberatung: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche, oder sportärztliche Beratung. Bei Beschwerden, Vorerkrankungen oder gesundheitlichen Fragen ist eine ärztliche Abklärung ratsam.