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Gewohnheiten ändern und gesunder Lebensstil: Was die Wissenschaft wirklich zeigt

4 Min3 Quellen

Wie Gewohnheiten entstehen und was der Lebensstil für die Gesundheit bedeutet – mit einem kritischen Blick auf das, was drei Studien wirklich zeigen (und was nicht).

Diagramm: Wie lange dauert es, eine Gewohnheit zu bilden – Median rund 66 Tage, Spanne 18 bis 254 Tage

Eigene, schematische Darstellung nach Lally et al. (2010): Median rund 66 Tage bis zur Automatisierung, Spanne 18–254 Tage (254 extrapoliert). Kleine Stichprobe (n=96), Selbstauskunft, einfache Verhaltensweisen – grobe Orientierung, kein festes Gesetz.

Die belastbare Botschaft ist keine konkrete Zahl: Gewohnheitsbildung dauert länger als gedacht, schwankt stark von Person zu Person und hängt vor allem an der Wiederholung in einem festen Kontext. Weder „21" noch „66 Tage" sind ein Naturgesetz.

1. Worum es geht

Kaum ein Thema ist so voller Faustregeln und Versprechen wie „Gewohnheiten" und „Lebensstil" – vom „21-Tage-Trick" bis zur „einen Sache, die alles verändert". Dieser Beitrag schaut bewusst kritisch hin: Was zeigen einzelne, gut gemachte Studien tatsächlich – und wo sind die Grenzen? Drei Arbeiten dienen als roter Faden: eine zur Entstehung von Gewohnheiten, eine zum Zusammenhang von Lebensstil und Lebenserwartung und eine, die prüft, ob gezielte Lebensstiländerung kausal wirkt.

2. Gewohnheiten dauerhaft ändern: Wie lange dauert es wirklich? (Der 21-Tage-Mythos)

Gewohnheiten entstehen, wenn ein Verhalten in einem stabilen Kontext (z. B. „nach dem Frühstück") wiederholt wird, bis es zunehmend automatisch abläuft. Wie lange das dauert, untersuchte eine viel zitierte Studie von Lally und Kolleginnen (2010): Im Mittel brauchten die Teilnehmenden rund 66 Tage, bis ein neues Verhalten weitgehend automatisch war – mit einer enormen Spanne von etwa 18 bis 254 Tagen (siehe Grafik oben). Damit ist klar: Der populäre „21-Tage"-Wert ist ein Mythos.

Kritisch betrachtet taugt aber auch die „66 Tage" nicht als festes Gesetz. Die Studie umfasste nur 96 Personen, von denen sich die Verlaufskurve am Ende lediglich bei 39 sauber modellieren ließ; die Automatisierung wurde per Selbstauskunft erfasst, und der obere Wert von 254 Tagen ist eine rechnerische Hochrechnung über das Studienende hinaus. Die belastbare Botschaft ist daher nicht eine konkrete Zahl, sondern: Es dauert länger als gedacht, schwankt stark von Person zu Person und hängt an Wiederholung in einem festen Kontext.

3. Lebensstil und Gesundheit: starke Zusammenhänge

Dass der Lebensstil mit Gesundheit und Lebensdauer zusammenhängt, zeigt eine große US-Studie (Li et al., 2018). Auf Basis zweier langlaufender Kohorten mit zusammen über 120 000 Personen definierten die Autoren fünf „risikoarme" Faktoren: nicht rauchen, normales Körpergewicht, regelmäßige Bewegung, moderater Alkoholkonsum und eine hohe Ernährungsqualität. Wer alle fünf erfüllte, hatte gegenüber Personen mit keinem dieser Faktoren eine deutlich niedrigere Sterblichkeit; rechnerisch ergab sich ab dem 50. Lebensjahr eine um rund 14 Jahre (Frauen) bzw. 12 Jahre (Männer) längere Lebenserwartung.

So eindrucksvoll diese Zahlen sind – sie stammen aus einer Beobachtungsstudie. Sie zeigt einen Zusammenhang, aber keinen Beweis für Ursache und Wirkung. Menschen mit gesundem Lebensstil unterscheiden sich oft auch in anderen Punkten (Bildung, Einkommen, medizinische Versorgung), die mitwirken können. Zudem beruhten die Angaben auf Selbstauskunft, und die Kohorten bestanden größtenteils aus medizinischem Fachpersonal – die Ergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres auf alle Bevölkerungsgruppen übertragen. Solche Designs neigen dazu, Effekte eher zu überschätzen.

4. Lebensstiländerung vs. Medikamente: Die Erkenntnisse der DPP-Interventionsstudie

Näher an einem Kausalbeleg ist das Diabetes Prevention Program (Knowler et al., 2002), eine randomisierte kontrollierte Studie mit 3 234 Personen mit hohem Diabetesrisiko. Eine Gruppe erhielt ein intensives Lebensstilprogramm (Ziel: mindestens 7 % Gewichtsabnahme und mindestens 150 Minuten Bewegung pro Woche), eine zweite das Medikament Metformin, eine dritte ein Scheinmedikament. Ergebnis: Das Lebensstilprogramm senkte das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, um 58 % – deutlich mehr als Metformin mit 31 %.

Weil hier die Maßnahme gezielt zugeteilt wurde, ist der Schluss „Lebensstiländerung wirkt" belastbarer als in einer reinen Beobachtungsstudie. Auch das hat aber Grenzen: untersucht wurde eine spezielle Hochrisikogruppe, mit intensiver Betreuung über im Schnitt nur knapp drei Jahre. Im Alltag ohne diese Unterstützung ist es deutlich schwerer, solche Verhaltensänderungen durchzuhalten.

5. Kritisches Fazit

Wissenschaftliche Quellen

Die Inhalte dieses Beitrags wurden auf Grundlage aktueller wissenschaftlicher Fachliteratur und Veröffentlichungen erstellt und in zusammengefasster Form zur allgemeinen Wissensvermittlung aufbereitet.

Zur Vertiefung des Themas sowie zur eigenständigen Auseinandersetzung mit dem aktuellen Forschungsstand werden die nachfolgenden wissenschaftlichen Quellen empfohlen. Die Inhalte dieses Beitrags stellen eine eigenständige Darstellung und Zusammenfassung der darin behandelten Erkenntnisse dar.

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Mag. Christian Schober
Mag. Christian Schober
Sportwissenschaft & Redaktion

Keine Gesundheitsberatung: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche, oder sportärztliche Beratung. Bei Beschwerden, Vorerkrankungen oder gesundheitlichen Fragen ist eine ärztliche Abklärung ratsam.